Freitag, 27. August 2010

Tom Tom Urban Rider

Vor langer Zeit, als »Rider« noch »Ritter« waren, gab es kaum Städte, doch in ihnen zurechtzufinden war meistens deutlich schwieriger, als auf dem Rest der Scheibe, die man Erde nannte. Heute heißen Ritter auf motorgetriebenen Rößern »Rider«, die Erde ist eine Kugel und Navigationsgeräte führen uns zielsicher auch durch den Großstadtdschungel. Warum aber ausgerechnet der neueste Motorradnavi von Tom Tom sich mit dem Beinamen »Urban« primär für das Städtische empfiehlt, mag sich nicht so recht erschließen. Die Namensgebung scheint nicht besonders glücklich, spiegelt aber ein wenig die Zerrissenheit des Konzepts wieder. Motorradfahrer fahren nun mal nicht mit Vorliebe durch verstopfte Innenstädte, auch wenn das Motorrad gerade in urbaner Umgebung sicher ein vernünftiges Verkehrsmittel ist. Passend dazu ist der neue »Urban Rider« auch direkt nach dem Auspacken einsatzbereit.

Kein aktiver Halter
Einfach den Halter mittels RAM-Mount am Lenker befestigt und schon kann es losgehen. Nur all zu weit von der nächsten Steckdose sollte man sich nicht entfernen, denn der Akku macht im Schnitt nach knapp sechseinhalb Stunden schlapp. Das reicht nicht einmal für eine ausgedehnte Tagestour und erfahrungsgemäß benötigt man den Navi immer spät abends im Regen auf der Suche nach dem nächsten Hotel am dringendsten. Beheben lässt sich das Problem mit dem aktiven Halter, den es auch schon für den TT Rider 2nd Edition gab. Erhältlich ist er als kostenpflichtiges Zubehör für 64,95 Euro.

Einfach geht auch einfacher
Tom Tom wirbt für den »Urban Rider« vor allem mit einer vereinfachten Menüführung, die auch mit Handschuhen besser bedienbar sein soll. Das Symbols mit dem Handschuh in der Karten-Ansicht führt zu einem Menü mit Schnellzugriffen, beispielsweise zu »Tankstellen«, »letztes Ziel«, oder »Straßensperren vermeiden«. Die Zoomtasten sind auf ein kleines Icon in der linken oberen Ecke reduziert. Drückt man darauf, werden zwei große Tasten auf dem Bildschirm zentriert, die sich auch mit dem dicksten Handschuh noch zielsicher bedienen lassen. Insgesamt sehen die Menüs etwas anders aus. Die Bedienung ist aber nicht wesentlich einfacher geworden, auch wenn ab und an eine Assistent startet, der bei der Einrichtung von Funktionen hilft, so wie bei der Kopplung mit Bluetooth-Geräten. Im Test ließ sich der »Urban Rider« übrigens problemlos mit verschiedenen Bluetooth-Headsets vom Cardo und Midland verbinden. Auch mit unterschiedlichen Mobiltelefonen verstand er sich auf Anhieb.

Teile und Lade
Schön ist der Fahrspurassistent, der besonders auf Autobahnen das Einordnen deutlich vereinfacht. Auf den SD-Kartenschacht kann man getrost verzichten. Bislang beherbergte die SD-Karte das Betriebssystem samt Kartendaten. Einen internen Hauptspeicher gab es nicht. Wer den Speicherplatz erweitern wollte, musste also den gesamten Inhalt auf eine größere Karte kopieren. Bei mehr als zwei GB gab es dann aber mit der Verwaltung der Karte öfter mal Probleme. Der jetzt interne Speicher ist ebenfalls zwei GB groß. Rund 1,5 GB nutzt der Kartensatz nebst Software, wobei Tom Tom die Kartendaten für 45 europäische Länder schlicht aufteilt in je einen nördlichen, südlichen, westlichen und östlichen Teil. Die Auswahl kann man über Tom Tom Home am PC jederzeit ändern. Das dürfte in der Praxis auch ausreichen, denn vom Norkap über Südgriechenland bis nach Portugal fahren die wenigsten direkt. Die restlichen 4-500 MB, die auf dem Speicher frei bleiben, sind mehr als genug auch für eine größere Menge von persönlichen Daten. Die lassen sich wie gewohnt entweder über die »Tom Tom Home«-Software übertragen, oder noch einfacher direkt ins Gerät kopieren. POIs werden weiterhin im Kartenordner gespeichert und auch mit eigenen Icons angezeigt. Der »Urban Rider« zeigt nun bei der Auswahl im Menü an, ob der POI direkt an der Strecke liegt. Die POI-Verwaltung ist insgesamt umfangreicher geworden und lässt auch eine gewisse Bearbeitung zu.

Verborgene Schätze
Wirkliche Neuheiten sind etwas tiefer im Gerät vergraben. So bringt der »Urban Rider« nun auch eine Tripmaster mit Tages- und Gesamtspeicher mit, der sich unter der Bezeichnung »Fahrstatistik« verbirgt. Auch die Aufzeichnung von Strecken ist jetzt möglich. Das so genannte »Tracking« findet man aber nicht unter Fahrstatistik, sondern als separaten Punkt »Aufzeichnung starten« im Hauptmenü. Die Trackdaten werden im Ordner »GPX« auf dem Hauptspeicher abgelegt und können von dort ausgelesen werden. Bei jedem Neustart einer Aufzeichnung wir eine neue GPX-Datei angelegt. Damit sind theoretisch unbegrenzte Aufzeichnungen möglich. Da GPS-Dateien auch von Google Earth gelesen werden, kann man den Track so bequem betrachten und auswerten. Über die Funktion Reisereoutenplanung lassen sich die Tracks wieder als Reiseroute laden und dort als ITN-Datei mit anderen »Urban-Ridern« via Bluetooth austauschen. Das Tracking lässt sich aber weder in den Aufzeichnungsintervallen einstellen, noch liefert es vernünftigen Höhendaten.

Tracks, GPX und ITN
In den Ordner »GPX« kann man übrigens nicht einfach GPX-Dateien hinein kopieren. Dafür gibt es den Ordner »gpx2itn« direkt darunter. Im Internet findet man relativ viele Tourdaten in Form dieser GPX-Dateien. Die wirft man dann hier hinein und kann sie nach dem Neustart des »Urban Rider« über die Reiseroutenplanung laden. Das erspart in vielen Fällen das Umwandeln, wobei man auf dem kleine Navi-Display wenig Möglichkeiten hat, den Verlauf der Tour und damit die Qualität der Daten zu prüfen. Wenn sie also nicht aus einer verlässlichen Quelle stammen, ist man mit einer guten Planungssoftware, wie etwa dem kostenlos im Netz erhältlichen »Tyre« immer noch besser bedient. Bei allem Positiven hat Tom Tom leider auch diesmal wieder an einer eigenen Planungssoftware gespart. »Tyre« nutzt das Kartenmaterial von Google Maps und setzt eine Internetverbindung voraus, der Tom Tom werkelt auf Basis von Teleatlas-Karten. In der Praxis sind die Unterschiede bei der Routenplanung und Berechnung aber meist zu vernachlässigen, wenn man zwischen zwei Wegpunkten nicht all zu große Abstände lässt. Grundsätzlich kommt auch der »Urban Rider« mit der bewährten »Tom Tom Home«-Software. Damit lassen sich die Daten auf dem Geräte verwalten und sichern, Updates herunterladen oder neue Inhalte kaufen. Geblieben ist auch die Möglichkeit den Rider vom PC aus fernzusteuern, so dass man etwa zur Routenplanung die Maus nutzen kann. Leider entspricht die Ansicht auf dem PC-Bildschirm aber in der Größe genau der auf dem Gerätedisplay. Der im Internet angebotene und ebenfalls über »Tom Tom Home« auffindbare Routenplaner kennt keine Zwischenziele und ist für die Tourplanung daher unbrauchbar.

Sensationell Kurvenreich
Das Fehlen einer eigenen Planungssoftware ist um so bedauerlicher, da sich die wirklich sensationelle Neuigkeit eben im Bereich der Tourplanung findet. Beim Routing bietet der »Urban Rider« nämlich neben der Präferenz »schnellste« und »kürzeste Strecke« nun auch die Option »immer kurvenreiche Strecke planen«. Wer eine bestimmte Strecke fahren will, muss zwar immer noch eine Reiseroute planen, für spontane Ausflüge oder Verbindungsetappen bei denen man viele Zeit mitbringt und gerne etwas neues erleben will, ist das aber eine sehr gelungene Funktion. Die Ergebnisse sind auf jeden Fall interessant und speisen sich wohl teils aus den »IQ-Routes« in die die Fahrgewohnheiten vieler Tom Tom-Nutzer eingeflossen sind, auch die von Motorradfahrern. Denn jedes Mal, wenn man ein Tom Tom-Navi mit dem Kartenaktualisierungsdienst »Mapshare« verbindet, tauscht man über »Tom Tom Home« Daten mit dem Tom Tom-Server aus. Bei den mit Mobilfunkanbindung versehenen »Live«-Geräten geschieht die Auswertung fortwährend. Die Aktualisierungen in »Mapshare« stammen also überwiegend von den Nutzern, die geänderte Straßen oder Kartenfehler melden können. Tom Tom prüft die Daten und gibt sie schließlich für alle Nutzer frei. »MapShare« und »IQ Routes« beherrscht der »Urban Rider« natürlich auch.

Fazit
Das Fazit fällt also etwas gemischt aus. Die Software ist angenehm überarbeitet und auch wenn das vereinfachte Bedienkonzept nicht wirklich einfacher ist, hat der »Urban Rider« mit dem Tripmaster der Trackaufzeichnung und dem Fahrspurassistenten nun endlich Funktionen bekommen, die schon überfällig waren und woanders längst zum Standard gehören. Interessant ist alle mal der Preis, denn mit Karten von Zentraleuropa und ohne PKW-Halterung startet der »Urban Rider« bei 249 Euro. Diese Angebot ist aber nur befristet, erhältlich noch bis Ende Oktober 2010. Ganz Europa kennt der Rider für 299,95 Euro. Inklusive einem Scala Rider -Headset von Cardo ist auch eine Sondervariante für 399,95 Euro direkt über www.tomtom.com erhältlich. Den aktiven Halter zum Laden am Motorrad sollte man aber besser gleich dazu rechnen.

Dienstag, 17. August 2010

Screenshot von Tom Tom PNAs

Gerade beschäftige ich mich mit Tom Toms neuem Urban Rider und bin dabei mal wieder auf die Frage gestoßen, wie man eigentlich eiene Screenshot auf Tom Tom-Geräten anfertigt. Serienmäßig ist das nicht vorgesehen, doch Linux wäre nicht Linux, wenn es da nicht auch eine Möglichkeit gäbe. Und auf so einem Tom Tom läuft eben Linux. Genau genommen sind es sogar zwei Möglichkeiten , die ich beide schon mal probiert habe. Die erstere finde ich etwas einfacher, aber kompliziert ist beides nicht.
Erstens:
  1. Lege im Root-Verzeichnis einen neuen Ordner mit der Bezeichnung "screen" an. Der Root-Ordner ist das oberste Verzeichnis, wo also auch die Ordner "ITN" und so weiter liegen.
  2. Lege in diesem Ordner eine Textdatei an und nenne sie "capture". Am einfachsten geht das bei Windows in dem man im Explorer in den Ordner wechselt und dann mit der rechten Maustaste "Neu" wählt. Hier dann also ein "Textdokument" wählen. Vorsicht: Die Datei darf nicht "capture.txt" oder ähnlich, sondern muss nur "capture" heißen. Also unbedingt darauf achten die Endung zu entfernen.
  3. Jetzt muss man den TT vom PC trennen und neu starten. Anschließend kann man einfach etwas länger in die linke obere Ecke tippen. Dadurch wird eine Screenshot erzeugt und im Verzeichnis "screen" als Bitmap abgelegt. Bei manchen Geräten ertötnt dann auch so eine Art Verschlussgeräusch, wie bei einer Kamera. Das muss aber nicht sein, also nicht irritieren lassen, wenn es nicht klickt.
Alternativ gibt es ein kleines Tool, das man sich von Joghurts GPS-Site laden kann.

Montag, 16. August 2010

Die Ankunft des Rivalen

NAV-PNX 35 M von ARIVAL
Der Name »a-rival« ist eine Wortspiel, bedeutet einerseits »Ankunft«, zugleich outet sich der »NAV-PNX 35 M«, wie der Motorradnavi von Baros mit technischem Namen nennt, aber auch als Eindringling ins Revier etablierter Navigationsgeräteanbieter. Prominentester Vorteil des Neuen ist sein Preis. Für 299 Euro laut unverbindlicher Preisempfehlung erhält der navigationswillige Anwender ein Gerät mit 3,5 Zoll-Touchscreen mit 320 x 240 Pixel. Es ist nach IPX 7 wasserdicht in einem robusten Kunststoffgehäuse verpackt. Die Stromversorgung erfolgt wahlweise durch den austauschbaren Li-Ion-Akku oder das 12Volt-Bordnetz. Nach dem Einschalten besteht zunächst die Wahl, in den Motorrad- oder Auto-Modus zu wechseln. Interessant war für mich natürlich der Motorrad-Modus, der aber vornehmlich die Anzeige verändert.

Das Display im Visier
Für Motorradfahrer wird das Display hochkant und nicht quer verwendet. Entsprechend ist auch die Sonnenblende am mitgelieferten Halter montiert. Zugleich sind die Icons etwas größer und bei der Routenberechnung wird einer der beiden Motorrad-Modi bevorzugt. Die Sonnenblende ist mehr als sinnvoll, weil das Display schon in mäßigem Sonnenlicht kaum ablesbar ist. Bei der Navigation werden dann Abbiegehinweise nicht nur auf der Karte im oberen Bildschirmbereich angezeigt, sondern auch mittels Icons in der unteren Hälfte. Beim Auto-Modus nimmt die Karte hingegen fast den gesamten Bildschirm ein. Zwar sind die Icons beim Motorrad-Modus grundsätzlich größer, mit Handschuhen aber insgesamt nur bedingt nutzbar. Verantwortlich für die schnelle und zuverlässige Positionsbestimmung ist ein SiRF-Chip, berechnet werden Routen auf Basis eines Europa-Kartensatzes von Tele-Atlas. Maximal 8 GB fasst der Kartenslot in Form von Micro-SD-Karten. Als Betriebssystem kommt Windows CE 6.0 embedded zum Einsatz. Die Installation weiterer Software ist nicht möglich, wohl aber das Übertragen von Updates.

Routenplanung
Das Berechnen von Routen geht recht flott. Damit die Sprachausgabe unterm Helm auch ankommt, gehört ein kleines Bluetooth-Headset zum Lieferumfang, das eine durchaus ordentliche Sprachqualität liefert. Manchmal wirken die Ansagen jedoch etwas abgehackt. Das »a-rival« beherrscht zwar nominell das Stereo-Profil »A2DP«, verfügt aber über keinen Mediaplayer.
Auf eine Planungssoftware für den PC muss man leider verzichten. Touren, die man aus dem Internet etwa im Format GPX herunterladen kann, lassen sich ebenfalls nicht übertragen. Touren, die man aus dem Internet etwa im Format GPX herunterladen kann, lassen sich einfach übertragen.
Die Tourplanung ist nur im Gerät möglich. Dabei können Adressen und Koordinaten eingegeben, POIs ausgewählt und Punkte auf der Karte definiert werden. Deutlich besser und schneller klappt das mit dem beiliegenden Stift, als mit den Fingern. Die Tourplanung am PC ist aber wesentlich komfortabler.
Berechnet werden können Routen mit Zwischenzielen für Motorradfahrer entweder als »Tour« oder als »Anfahrt«. Bei »Tour« werden Autobahnen vermieden und Städte weitgehend umfahren. Wer schneller zum Ziel kommen will, wählt »Anfahrt« und bezieht Autobahnen mit ein.
Eine umfangreiche Liste von POIs mit Hotels, Tankstellen und Ähnlichem ist im Gerät installiert. Hinzufügen lassen sich aber leider keine weiteren. 

Gut mit Einschränkungen
Insgesamt hinterlässt der a-rival einen durchaus guten Eindruck. Dafür sorgt nicht nur der günstige Preis, sondern auch die solide Ausstattung. Vergleichbar ist er da durchaus mit einem Tom Tom Rider der ersten Generation, nur dass er gleich eine Planungssoftware für den PC mitbringt. Das bei Sonnenlicht schlecht ablesbare Display trübt zwar den Gesamteindruck, doch Ähnliches findet sich auch bei deutlich teureren Geräten.